An alle FriedensarbeiterInnen,
die Pilgerschaft 2009 hat begonnen.
Nach einem dreitägigen Aufenthalt am ältesten Olivenbaum dieser Gegend (mindestens 1000 Jahre) bewegten wir uns das erste Mal als Pilgernde in Richtung Évora.
Die vorbereitenden Tage halfen uns, tief einzutauchen in die Wahrnehmung der Schöpfung.
Man bekommt Gefühle wie ein urgeschichtlicher Stamm. Den Olivenbaum malend, erforschten wir den Zusammenhang von empfangender Wahrnehmung und schöpferischer Kreativität.
Immer wieder neu die Entdeckung: Die Welt ist nicht das, was wir von ihr halten.
Jenseits aller Definitionen entdecken wir das Wunder der Wirklichkeit.
Friedensarbeit besteht vor allem auch darin, unsere eingefahrenen Verhaltensmuster und Leidensmuster zu erkennen und zu verlassen.
Der erste warme Regen beschenkte uns mit seinem Segen. Die ganze Landschaft streckte sich sehnsüchtig diesem Spätsommergruß entgegen.
Für uns das erste kleine Abenteuer, den Regen auzs ganzem Herzen zu begrüßen und gleichzeitig den Schutz zu finden, den wir für die Nacht wünschten und brauchten.
Heute, am Montagmorgen, feiern wir als erstes ein gemeinsames Ritual am Steinkreis Almendres bei Évora.
Wir verbinden uns im Geist mit allen Friedenskräften weltweit.
Wir pilgern dem Sonnenaufgang einer neuen Kultur entgegen.
Krafttext: GRACE – ein Meditationstext für die Pilgerschaft durch Portugal von Sabine Lichtenfels
Teil 2:
Wir pilgern durch Portugal in der ersten Woche in Verbindung mit der urgeschichtlichen Utopie, in Berührung mit der heiligen Quelle Europas. Wir vollziehen den Exodus auf neue Weise. (Exodus heißt: Auszug aus der Sklaverei)
Wenn es einen Besatzer zu entmachten gilt, so sitzt er in unserem eigenen Innern.
In uns selbst sitzt der kleine Tyrann, der uns beherrschen wollte, der immer neue Kriege erzeugen konnte: Kriege um Länder, Kriege um Religionszugehörigkeit und Weltanschauung, Kriege um Frauen, um Macht, um Anerkennung. In diesem Karussell egomanischer Strukturen gibt es keinen Ausweg, weder im Kleinen, noch im Großen.
Dahinter ahnen wir eine neue große Freiheit, das heilige Land. Wir suchen und feiern bewusst die Ankunft der göttlichen Liebe in uns selbst und in der Welt. Wer in sich selbst die Drehung vollzieht, kann mithelfen, dass sich das Paradies auf Erden manifestieren kann. Jeder Schritt den wir tun, sei ein Gedanke.
Wir suchen die Vision des heiligen Landes in uns selber auf. Wir gehen davon aus, dass wir Wahrheit wissen und erkennen können, wenn wir es unserem Bewusstsein erlauben zu sehen.
Indem wir vom Steinkreis über Grandola nach Tamera pilgern, erinnern wir den Traum, den die Schöpfung wie einen Samen in uns legte, den Traum des Paradieses auf Erden. Dieses ist ein globaler Traum, er bleibt keiner Religion vorbehalten, keiner Partei und keiner Nation. Das heilige Land kennt keine Grenzen und Zäune außer den inneren Mauern, die es zu überwinden gilt.
Dort, wo wir mit unserer Aufmerksamkeit hingehen, entstehen die Manifestationen unseres Lebens. Wir pilgern für die globale Vision einer lebenswerten Zukunft.
Bereit die innere Drehung im Innern zu vollziehen, sind wir bereit zur Selbstveränderung. Dies ist keine Frage der Moral mehr, sondern ein Abenteuer des Bewusstseins, ein Schritt der Freude und der Kraft.
Wir verlangsamen unser Denken, mikroskopisch leuchten wir in unser Inneres, wir sehen und erkennen die Informationen des Krieges in uns selbst und verwandeln sie. Eine Friedensvision abrufbar zu sehen, zu verstehen und zu verwirklichen ist das Abenteuer dieser Pilgerschaft.
Wissen wir, was wir wirklich wollen? Kennen wir den göttlichen Willen in uns? Kennen wir den Punkt in uns selbst, wo sich entscheidet, ob Krieg oder Frieden ist?
Jeder Schritt sei ein Gedanke.
Wir gehen in bewusster Achtsamkeit.
Wir lauschen auf die Stimme der Erde, wir lauschen auf die Stimme im Innern von uns. Gott ist im Innern, in der Einfachheit unserer Schritte, im Zirpen der Grillen, und in dem Licht, das das karge Land berührt, als habe der Himmel die Erde leise umhüllt.
Das heilige Land entsteht in dem Maße, wie wir die Information der göttlichen Welt in uns selbst erkennen und in die menschliche Wirklichkeit herunterladen.
Die Erlösung der Liebe entsteht in der Vereinigung der universellen und der menschlichen Welt hier auf Erden. Sie entsteht in der Kreativität unter uns Menschen.
Hinschauen lernen, hinschauen für Europa, hinschauen für die Krisengebiete dieser Erde, hinschauen für das eigene Leben. Wir legen unser Haupt solange auf kargen Boden, unter Brücken und in den Zelten der Armen nieder, bis Menschen es wieder gelernt haben, Häuser und Kulturen für die göttliche Welt zu bauen. Wir treten ein in ein Gemeinschaftsabenteuer, wir denken, handeln, lieben und sprechen auf eine Weise, dass die Geburt einer großen Vision daraus hervorgehen kann, die Schau von Friedensforschungsdörfern weltweit. Wir bauen an der Vision für ein globales Friedensforschungsdorf. Ein Global Grace Village. Anschließend wissen wir vielleicht mehr darüber, wie sich diese Vision verwirklichen wird. Eingeladen auf die Pilgerschaft sind diejenigen, die sich berufen fühlen, die Verantwortung für diesen Planeten anzunehmen.
Kraftsatz:
Jeder Schritt sei ein Gedanke.
Mit herzlichen Grüßen aus Portugal!
Sabine Lichtenfels