An alle FriedensarbeiterInnen,
Wir möchten danken für den bewegenden Global GRACE Day am 9. November und die vielen Berichte, Videos und Bilder auf der Website. Wir möchten den jungen Organisatoren danken, die dafür gesorgt haben, dass sich Menschen weltweit vernetzen konnten, dass sich Menschen aus Krisengebieten unmittelbar verbinden konnten mit den Menschen in Lissabon, Berlin, Indien oder Palästina. Man bekommt ein Gefühl für die Bewegung für eine freie Erde. Bitte lest nach auf der Homepage www.global-grace-day.com, um einen Eindruck zu bekommen von der Vielfalt und schöpferischen Kraft dieses bewegenden Tages und den vielen Erfahrungen, bei denen man spüren konnte, dass GRACE gegenwärtig war. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um einen gekürzten Text aus dem Buch „GRACE – Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg“ wiederzugeben.
Für diejenigen, die diesen Tag mit großer Freude und hohen Engagement erlebten, ist es wichtig und gut, immer wieder an die Quelle zu gehen, mit der diese Bewegung begann, und sich an die Entstehung des Global GRACE Day zu erinnern. Möge GRACE zu einer umfassenden Bewegung werden, einer Bewegung, die nicht mehr gebunden ist an Weltanschauung, Ideologie, Macht und Konkurrenz, sondern sich mit der Schönheit, Anteilnahme und Wahrheit des Lebens verbindet, eine Bewegung, die höher steht als alle Gewalt und alles Leben zu achten gelernt hat. Für die Träger von GRACE ist hierfür ein umfassendes Studium nötig, denn GRACE ist mehr als eine emotionelle Welle der Begeisterung.
Krafttext: Was ist GRACE
Aus dem Buch: „GRACE – Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg“
von Sabine Lichtenfels
GRACE sagt: Ich bin gewillt, den Krieg zu beenden und zu verstehen, durch was er beendet werden kann, und ich stelle mich in den Dienst dieser Lösung.
(…)
GRACE verlangt nach Selbsterkenntnis. Und diese Selbsterkenntnis ist nicht immer leicht. Fehler bei anderen zu entdecken, ist um vieles angenehmer und leichter, als sich selbst zu enttarnen.
(…)
Wenn ich im Namen von GRACE unterwegs bin, versuche ich in erster Linie, den Menschen zu treffen und mich von ihm berühren zu lassen und nicht von seiner Weltanschauung, die er vertritt.
Wenn unsere Treffen mit Weltanschauungsdebatten begannen, war alles verloren. Niemand hörte mehr zu, stattdessen begann ein emotionales Tohuwabohu. Die Begegnungen verliefen vollkommen anders, wenn die menschliche Berührung stattgefunden hatte. Hier geschieht GRACE.
Ich lasse mich berühren und versuche zu berühren. Wenn immer es mir möglich ist, betrete ich jeden Ort mit geöffnetem Herzen.
(…)
Im Zustand von GRACE verurteile ich nicht, aber ich habe den Mut, die Wahrheit zu sagen. Ich möchte die Wahrheit so sagen, dass sie den anderen erreicht und verändert, und nicht, um Recht zu haben und damit den Krieg weiter zu schüren.
(…)
GRACE erinnert uns daran, dass hinter dieser schrecklichen Dimension unserer Kultur, die bald keine Auswege mehr zu bieten scheint, eine andere Wahrheit und Wirklichkeit waltet. Es ist eine sehr einfache Wahrheit, die überall dieselbe ist.
Wir vergessen bei unserer Meinungsbildung fast immer, dass wir uns auf einer Deutungsebene befinden. Die Wahrheit liegt jenseits aller Meinungen. Die Wahrheit unterscheidet sich von Ideologien dadurch, dass sie schlicht und einfach wahr ist.
(…)
Aus unserer Angst vor der Wahrheit des Lebens erklären wir unsere Meinungen und Ansichten zur Wahrheit, für die wir bis zum Letzten kämpfen; so entsteht der psychologische Krieg, der schließlich im realen Krieg mündet. Wir halten für wahr, was mit Wahrheit nichts zu tun hat. Es sind die Geschichten unserer Sozialisation, mit denen wir uns identifizieren.
Du schaust auf einmal in den verzerrten Spiegel einer Menschheit, die sich von ihren Wurzeln getrennt hat. Überall schaust du in dasselbe Grundmuster von Angst, von Wut, von Ohnmacht und Verletztheit und dem daraus resultierendem Krieg mit seinen zerstörerischen Racheakten. (…) Und hinter dieser rollenden Lawine, die hinwegrast über die Krisengebiete dieser Erde und die die Erfahrung des Schmerzes in die Geschichte von Opfern und Tätern schreibt, hinter all diesem triffst du überall auf denselben Hunger. Hunger nach Leben, Hunger nach Liebe, Hunger nach Vertrauen und Heimat, Hunger nach Anerkennung, Hunger danach, gesehen zu werden und verstanden zu werden. Dieser Hunger ist unabhängig von jeder Kultur. Er ist einfach da. In jedem Menschen, so wahr er noch Mensch geblieben ist.
GRACE erinnert dich immer daran.
GRACE ist wie eine bewusst gewählte Naivität, die dir hilft, dich nicht in dem Meer von Weltanschauungen zu verirren und hinter allem die elementare und einfache Wahrheit zu sehen und zu hüten. Du schaffst Öffnungen für den Schrei nach Leben.
Du siehst den kollektiven Schmerzkörper vor dir, der den Juden ihr fürchterliches Schicksal bescherte. Du siehst den Kollektivwahn der Deutschen darin, die bis heute als Volk nicht in der Lage waren, ihre Vergangenheit wirklich zu sehen und zu heilen. Du siehst die Folgen einer falsch gelaufenen patriarchalen Religion und Kultur, zu der die Kriege gehören wie das Naturspektakel eines fantastischen Gewitterhimmels, und das seit Tausenden von Jahren.
Die Geschichte von Opfern und Tätern und die Identifizierung mit ihnen müssen beendet werden. Hier wartet die Weltgeschichte auf die große Transformation, das große Erwachen.
GRACE ERINNERT DICH IMMER DARAN, DASS DIESE WANDLUNG NICHT AUS EIGENER KRAFT GESCHEHEN KANN.
GRACE erinnert dich an die Heiligkeit des Lebens selbst in jedem Augenblick. GRACE erinnert dich daran, dass es einen Ausweg aus der Sackgasse nur geben kann, wenn es menschheitlich gelingt, zurückzukehren zu den wahren Grundlagen des Lebens und der Liebe, des Vertrauens und der Wahrheit. GRACE ist die Kraft des langem Atems, der durchhalten kann, weil er am Horizont der Geschichte eine neue Morgenröte sieht, eine paradiesische Kultur der Liebe und der Nächstenliebe, eine Kultur, die Unterschiede achtet und doch ihre einheitlichen Werte des Lebens anerkennt.
GRACE ist wie die Nabelschnur, die uns mit dieser Vision verbindet und uns schon jetzt aus ihrem Geist, aus ihrer Neuheit, Fülle und Schönheit handeln lässt.
Kraftsatz: Ich lasse mich berühren und versuche zu berühren.
Mit herzlichen Grüßen aus Tamera!
Sabine Lichtenfels