Sabine Lichtenfels - im Namen von Grace

Sabine Lichtenfels - Spirituelle Arbeit

Ring der Kraft 12. April 2010

// Jeder weiteren Grausamkeit müssen wir ein weiteres Stück Liebe und Güte gegenüberstellen, das wir in uns selbst erobern müssen.

An alle FriedensarbeiterInnen,

Diesen Montag richten wir unser globales Friedensgebet insbesondere nach Israel/Palästina. Juden, Deutsche und Palestinenser treffen sich gemeinsam, um sich im Geist dem Holocaust zuzuwenden und die globalen Wunden, die die Geschichte des Faschismus in uns allen hinterlassen hat, zu erkennen und zu heilen.

Sami Awad aus Bethlehem/Palästina, Emma Shamba und Michal Thal aus Israel und andere aus der Gruppe des geplanten PRV (Peace Research Village) werden diesen Tag geistig begehen.

Im Andenken an sie schicken wir einen Text von Etty Hillesum in den Ring der Kraft. Möge dieser Text uns für diese Woche begleiten und uns Kraft geben für unsere eigene spirituelle Suche und Wahrheit.

Am 11. April 2001, gestern vor 9 Jahren, fand in Kolumbien ein Massaker an der ethnischen Gruppe der Nasa in Kolumbien statt, die bis heute unter schwersten Bedingungen um ihr Überleben kämpfen müssen. Wir schließen ihre schwere Situation in unser Friedensgebet mit ein. Es ist weltweit derselbe Schmerz, den die Unterdrückten, Gefolterten und von Mord bedrohten Völker erleiden müssen.

Ich bitte darum, dass es unsere innere Wahrheit ist, die uns in all unseren Aktionen und in unserem politischen Handeln begleiten möge. Spirituelle Wahrhaftigkeit steht jenseits von jeder Religion, von jedem Dogma, jeder politischen Devise. Es ist dasselbe Licht, dieselbe Liebe, dieselbe Wahrheit in unserem Herzen, die uns an die Hand nehmen, die uns die Kraft und den Mut geben zu sprechen, wenn andere schweigen, die uns ermöglichen, bei der Liebe zu bleiben, wo andere zu hassen beginnen und die uns führen können auf unserem Weg.

Krafttext: Das Leben ist etwas Herrliches und Großes

Aus Das denkende Herz: Die Tagebücher von Etty Hillesum. 1941-1943 (rororo)  

Etty Hillesum war eine niederländische Jüdin aus Amsterdam. Sie wurde 1943 in Auschwitz im Alter von 29 Jahren ermordet. Ihr Tagebuch, das sie in den letzten zwei Jahren ihres Lebens schrieb, ist ein Zeugnis von Liebe und Mitgefühl, von Vertrauen in das Leben und einer tiefen Spiritualität. In der dunkelsten Zeit bereitete sie das Neue vor, das sie kommen fühlte.

Ich bin gern in Wärme und Sicherheit, aber ich werde mich auch nicht weigern, in die Kälte zu gehen, wenn nur deine Hand mich führt. Ich gehe überall mit an deiner Hand und will versuchen, nicht ängstlich zu sein. Ich werde versuchen, etwas von der Liebe, Menschenliebe, die in mir ist, auszustrahlen, wo ich auch sein werde. Aber mit dem Wort "Menschenliebe" darf man nicht prahlen. Man weiß nie, ob man sie besitzt. Ich will nichts Besonderes sein, ich will nur versuchen, zu der zu werden, die in mir noch nach völliger Entfaltung sucht.

Und im Angesicht ihrer Erfahrungen im Konzentrationslager schreibt sie weiter:

Das Elend ist wirklich groß; und dennoch laufe ich oft am späten Abend, wenn der Tag hinter mir in die Tiefe versunken ist, mit federnden Schritten am Stacheldraht entlang, und dann quillt es mir immer wieder aus dem Herz herauf – ich kann nichts dafür, es ist nun einmal so, es ist von elementarer Gewalt: Das Leben ist etwas Herrliches und Großes, wir müssen später eine ganz neue Welt aufbauen – und jedem weiteren Verbrechen, jeder weiteren Grausamkeit müssen wir ein weiteres Stück Liebe und Güte gegenüberstellen, das wir in uns selbst erobern müssen. Wir dürfen zwar leiden, aber wir dürfen nicht darunter zerbrechen.“

Kraftsatz: Jeder weiteren Grausamkeit müssen wir ein weiteres Stück Liebe und Güte gegenüberstellen, das wir in uns selbst erobern müssen.

Mit herzlichen Grüßen  

Sabine Lichtenfels  

und das Team vom Ring der Kraft