In Tamera, dem entstehenden Heilungsbiotop I im südlichen Alentejo in Portugal, entsteht ein soziales und ökologisches Friedensexperiment. Wir nennen es nach dem ursprünglichen Namen des Geländes Monte Cerro. Ab 1. Mai 2006 sollen ca. 200 Teilnehmer drei Jahre lang zusammen leben, zusammen arbeiten, zusammen denken – junge Frauen und Männer der Friedenschule Mirja gemeinsam mit Spezialisten aus Ökologie, Energieforschung, Architektur, mit Ärzten, Handwerkern, Künstlern und Friedensaktivisten. Das Ziel ist, ein umfassendes exemplarisches Gesellschaftsmodell zu entwickeln und real aufzubauen, bei dem Frieden auf allen Ebenen gelernt werden kann: Die technischen und ökologischen Lösungen, die in dieser Zeit im Maßstab eines Dorfes entwickelt werden, könnten gemeinsam mit den sozialen, kulturellen und spirituellen Entwicklungen ein gesellschaftliches Pilotmodell für die Besiedlung von Krisengebieten bilden.
Für das Experiment stehen 134 ha teilweise karges Land, eine im Aufbau befindliche Infrastruktur und 25 Jahre Erfahrung in Gemeinschaftsaufbau zur Verfügung.
Sinn des Experimentes
Sollte ich den Sinn des Experimentes „Monte Cerro“ zusammenfassen, würde ich mit Lynn Margulis, der bekannten Biologin, sagen: „Wenn wir die ökologischen und sozialen Krisen, die wir herbeigeführt haben, überleben wollten, wären wir wohl gezwungen, uns auf völlig neue, dramatische Gemeinschaftsunternehmungen einzulassen.“
Was sie als Konjunktiv formuliert, ist für uns zu einem Imperativ geworden:
Entwickelt Formen des Zusammenlebens, die nicht mehr gegen das Leben und die Liebe gerichtet sind! Errichtet Modelle für eine friedliche Koexistenz aller Wesen! Entwickelt Pilotmodelle, die eine Antwort auf die brennenden Fragen unserer Zeit in sich tragen! Die Erde ist in Aufruhr. Der Tsunami tötete 300.000 Menschen. Die Erde bebt, sie spielt verrückt durch Sturmfluten, Schneestürme und Dürrekatastrophen. Der weltweite Raubbau an der Erde, die grobe Misshandlung und Zerstörung, die nun seit Jahrhunderten an ihrem Leib vollzogen wurden – durch Abbau ihrer Rohstoffe, Abholzung der Regenwälder, Betonwüsten, Atombombenversuche, Waffenindustrie, Versklavung, Erniedrigung und Quälerei ihrer Lebewesen – rächt sich heute auf allen Ebenen. Was wir der Erde angetan haben, haben wir auch uns selbst angetan. Es gibt derzeit so viele Kriege auf der Erde wie nie zuvor. Der Terrorismus, den wir tapfer bekämpfen, ist ein Ergebnis unserer westlichen Lebensweise, durch die ganze Kontinente und ihre Bewohner ausgebeutet und in Armut gestürzt wurden. Das Phänomen der Rache, das wir täglich in den Nachrichten bei Terrorakten und Selbstmordattentaten sehen, ist ein Ergebnis der Unterdrückung. Ohne Unterdrückung von Lebenskräften existiert keine Bosheit. Könnte es so einfach sein? Und wie können wir lernen, ohne Unterdrückung zu leben? Wie lernen wir, uns mit den gewaltigen Urkräften von Natur und Mensch, mit unserer eigenen Wildnatur zu arrangieren, statt sie zu bekämpfen?
Ich sehe nur einen wirklichen Ausweg aus der Sackgasse: Austritt aus der Mittäterschaft: Wir müssen austreten aus dem globalen Wahnsinn unserer Zeit. Das können wir erst, wenn wir glaubhafte Perspektiven entwickelt haben. Der Mensch ist der Verursacher der Katastrophe, er kann deshalb auch die Intelligenz entwickeln, diese zu beenden. Die Herausforderung besteht darin, in allen Bereichen mit den Mitgeschöpfen zu kooperieren, statt sie zu vernichten: in der Ökologie und Technologie, im Bauwesen, im medizinischen Bereich und vor allem im zwischenmenschlichen Bereich.
Die Frage des Friedens ist keine Privatangelegenheit. Da kann noch so vollkommen meditiert werden, da können noch so durchdachte, nachhaltige, technologisch hoch komplexe Systeme entwickelt werden. Solange Menschen sich nicht auf neue Formen des Zusammenlebens besinnen, solange keine funktionierenden sozialen Strukturen entwickelt werden, unter denen sich friedlich leben lässt, wird es auf der Erde keinen Frieden geben. Aus dieser globalen Schau der Dinge ergibt sich von selbst die absolute Notwendigkeit, Gemeinschaftsformen zu entwikkeln, in denen alle Beteiligten die Urerfahrung von Vertrauen, Wahrheit und Einbettung in die Natur auf neuer Ebene machen können.
Dazu schreibt Dieter Duhm in der „Heiligen Matrix“: „Alles dies kann langfristig nur gelingen auf der Grundlage einer menschlich funktionierenden, stabilen Gemeinschaft. Wir können die besten Ziele nicht verwirklichen, wenn wir nicht in der Lage sind, funktionierende, überlebensfähige Gemeinschaften zu gründen. Der ökologische Humanismus braucht eine neue soziale Struktur. Eine neue Kultur entsteht aus der Wiederverbindung mit den göttlichen Gesetzen von Leben und Universum. Es gibt sicher viele Wege zu diesem Ziel, aber es gibt vielleicht nur einen Schlüssel, um das Tor zu öffnen: das wiedergefundene VERTRAUEN.“
Die globale Wirksamkeit
Wie erzeugen wir Lebensstrukturen ohne Angst und Gewalt? Wie entsteht Vertrauen? Wie entsteht Glück? Und wie können diese Erfahrungen zu einem positiven Virus der Heilung werden, der sich ausbreitet im System des Lebens? Wie können die Forschungsergebnisse eines lokalen Friedensexperimentes globale Wirkung entfalten? Welche sozialen, ökologischen, ökonomischen und spirituellen Bedingungen müssen dazu verwirklicht werden?
Antworten kommen aus dem Bereich von Chaosforschung und Feldbildungstheorie. Es gibt unzählige Beispiele aus der Evolution, der Biologie, der Kulturbildung, des Sports und der Wissenschaft, die belegen, dass eine lokale Lösung für ein allge- meingültiges Problem einen iterativen (d.h. sich selbst verstärkenden) Prozess einleiten kann, der auf die gesamte Population verändernd und heilend wirkt. Diese biologische Wirksamkeit von sogenannten morphogenetischen Feldern wenden wir auf die Friedensarbeit an. Wir gehen davon aus: Ein Modell, das Antworten auf die brennenden Fragen unserer Zeit entwickelt, wird global wirken, sobald diese Antworten funktionieren und sobald sie umfassend und ausreichend komplex sind. Lokal handeln, global wirken, ist das Wirkprinzip, das hier auf einer sozialen und politischen Ebene angewendet wird. Der Stand der Vorbereitungen und das geplante Solar Village Das Projekt begann vor 25 Jahren mit ersten Gemeinschaftserfahrungen in Deutschland und Schweiz. 1995 startete eine kleine Gruppe das Heilungsbiotop I Tamera in Portugal. Das Gelände, auf dem das Experiment stattfindet, besaß am Anfang keine bewohnbare Struktur, weder Wasser noch Strom noch Unterkünfte. Hier leben heute beinahe 100 Menschen in provisorischen Unterkünften, um die für das Experiment notwendige Infrastruktur vorzubereiten.
Ganz besonders freuen wir uns über die neue Zusammenarbeit mit dem Solarenergieforscher Jürgen Kleinwächter und Inhaber der Firma Sunvention GmbH aus Lörrach. Angesichts des Elends in afrikanischen Dürregebieten entwickelte er die Basis-Technologie für ein Solar Power Village, ein Modell für ein wasser- und energieautarkes Dorf von 50 Einwohnern. Das Besondere an diesem Modell liegt darin, dass es weitestgehend ohne Hilfe von Groß-Industrie gebaut werden kann. Das Solar Village könnte ein Modell für die ärmeren Trockengebiete der Erde sein, aber auch ein Dorfmodell für die noch freien Zonen der westlichen Welt, vielleicht ein Basismodell für das kommende Solarzeitalter. Jürgen Kleinwächter, der die letzten 30 Jahre in intensive Energieforschung investierte und neue Methoden der Sonnenenergienutzung und -speicherung entwickelte, schreibt: „Gerade die letzten 30 Jahre haben die Erkenntnis zur Gewissheit gemacht, dass, solange die Erde bestehen wird, die Sonnenstrahlung und alle durch sie ausgelösten Sekundäreffekte wie Wind, Wellen, Wasser-
kraft, ein überreiches, sauberes, bereits dezentral verteiltes Energiepotenzial darstellen. Letztendlich soll eine Situation entstehen, in der die Menschen auch in den bisherigen Armutsländern der Erde vom Kampf ums Überleben befreit werden und damit beginnen können, in echter Freiheit die Welt in all ihren kaleidoskopartigen Facetten schöpferisch lustvoll zu erkunden. Im Grunde ist damit der Traum nach einer möglichst monopolistischen Energieversorgung der Erde realisiert – nur heißt der Monopolist nicht EDF oder RWE, sondern Sonne und will keinen Profit machen.“
Das erste Solar Village soll ab Frühjahr 2006 in einer Bauzeit von 3 Jahren errichtet werden. Es soll einerseits ein bewohntes Dorf sein, andererseits Besuchern aus der Dritten Welt als Anschauungsmodell dienen. Um das Solar Village wird in Tamera eine „Freie Universität“ entstehen. Junge Menschen, die anschließend in Krisengebiete gehen möchten, um dort ein Solar Village zu bauen, können hier intensiv studieren. Gelernt werden neben den handwerklichen Fähigkeiten psychologische, spirituelle und soziologische Zusammenhänge sowie künstlerische Methoden, die ein kreatives Miteinander gewährleisten und mit deren Hilfe Konflikte leichter gelöst werden.
Die 25-jährige Vorarbeit, die hier von den Mitarbeitern von Tamera, vor allem in sozialen und zwischenmenschlichen Bereich, geleistet wurde, fügt sich auf einmalige Weise zusammen mit der langjährigen Forschungsarbeit von Jürgen Kleinwächter und gibt dem Projekt eine sehr solide Basis für die Verwirklichung. Eine funktionierende Gemeinschaft und die Kernfrage der Liebe Alles dies kann langfristig nur gelingen auf der Grundlage einer menschlich funktionierenden, stabilen Gemeinschaft. Es gibt und gab Pioniere im Bereich der Ökologie und Technologie, der humanen Medizin und der Architektur, die sich alle die Kooperation mit der Erde und ihren Wesen zum Maßstab gemacht haben. Aber wer führt sie zusammen? Wie schaffen sie es, so zusammenzuarbeiten, dass unter ihnen ein Klima der Ergänzung, der Kooperation, des Vertrauens entsteht? Wie sehen funktionierende Gesellschaftsmodelle aus, wo die unkonventionellen Ergebnisse aus der Forschung auch angewendet werden können?
Wenn wir funktionierende Gemeinschaften wollen, brauchen wir – schlicht gesagt – eine Revolution unseres bisherigen Menschenbildes und unserer bisherigen Vorstellungen von der Liebe. Vergleichbare Gedanken tauchten früh in der Geschichte auf, ich denke an das Urchristentum, an frühe Ketzerbewegungen und Klöster, oder ich denke an den Abt aus Florenz, Joachim di Fiore. Er träumte von der „societas amicorum“ (Gesellschaft der Freunde), ein Mönchsstaat in brüderlicher Liebe, auch gegenüber Juden und Heiden. Es war eine tiefe Vision, leider fehlten die Frauen. Weitere große Sozialutopien entstanden in der Renaissance, in einer Zeit, wo finsterstes Mittelalter mit humanistischen Werten kämpfte. Hier gab es authentische Gedanken von tiefer Humanität. Thomas Morus (1516) z.b. mit seiner „Utopia“ träumte von einer kommunistischen Demokratie ohne Privateigentum. Ein großer Name unter den humanen Visionären ist Robert Owen, ein englischer Industrieller in der Zeit der Frühsozialisten (um 1800). Er bemühte sich mit ungewöhnlichem Einsatz um eine Humanisierung der Lebensbedingungen des englischen Proletariats. Er ahnte den Zusammenhang von kommunistischer Lebensform und sexueller Befreiung und gründete am Mississippi die Gemeinschaft „New Harmony“. Charles Fourier entwarf das Projekt der „Phalanstères“: eine Vision der freien Liebe, eingebettet in Agrarbetriebe, Handwerk und christliche Nächstenliebe. Im letzten Jahrhundert wurde der Monte Veritas berühmt. Sie alle träumten von einem menschenwürdigen Leben. Warum noch einmal beginnen, wenn die Geschichte doch überdeutlich zeigt, dass sie alle scheitern mussten? Versuch und Irrtum ziehen sich durch die Geschichte des Abendlandes. Wenn wir die Projekte genauer studieren, können wir überdeutlich erkennen, dass sie alle an der nicht gelösten Liebesfrage gescheitert sind.
Das Pionierprojekt dieses beginnenden Jahrtausends ist der Aufbau funktionierender Gemeinschaften. Wenn wir Frieden auf der Erde wollen, brauchen wir ein Wissen über funktionierende Gemeinschaften.
Denn die Menschen haben verlernt, zusammen zu leben. Unsere Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Singles geworden. Alle träumen vom Glück der großen Liebe, und alle rennen in dieselbe Sackgasse. Eingezwängt durch eine liebesfeindliche Gesellschaft und festklammert durch gegenseitigen Besitzanspruch, geht die größte Liebe früher oder später ein. Man tröstet sich durch Konsum und heimliche Seitensprünge über die aufkommende Leere hinweg. Daran scheitert so manche Ehe. Hier, im ungelösten Thema Liebe, findet sich der tiefste und heimliche Grund für Konflikte bis in den globalen Maßstab, für Resignation und Gewalt. Hier ist auch die Möglichkeit ihrer Lösung. Liebe kann gelernt werden; sie hat ihre eigene Funktionslogik. Die schizophrene Spaltung zwischen dem großen Traum von der einen Liebe und der Realität unserer sexuellen Natur braucht eine glaubhafte Lösung. Begriffe wie „Freie Liebe“ sind durch die gescheiterten Versuche seit der Studentenrevolte 1968 in Verruf geraten. Mit freier Liebe wird assoziiert: Auflösung jeder Art von Verbindlichkeit, herzloser Sex. Die ganzen Phantasien und Ängste eines gestauten Organismus werden in die freie Liebe projiziert. Wenn wir in Tamera von freier Liebe sprechen, dann meinen wir einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Liebesbild. Ein Paradigmenwechsel, der die Frage einschließt, was den Generationen, die nach uns kommen werden, Heimat, Schutz, Vertrauen und wirkliche Treue bieten kann. Ein Zusammenleben, das auch der sexuellen Urkraft des Eros gerecht wird, jener Kraft, die wir sonst aus anonymen Begegnungen und heimlichen Phantasien kennen und die bei alten Kulturen in wilden Fruchtbarkeitsritualen gefeiert wurde. Eine Treue, die nicht auf sexueller Ausschließlichkeit beruht, sondern auf einer umfassenderen Menschenliebe und Wahrheit.
Das soziale Know-how
Dieter Duhm schreibt in der Projekterklärung Monte Cerro: „Die Maßnahmen, welche die Welt für ihre Heilung braucht, müssen wir auch an uns selbst vollziehen. Die Teilnehmer müssen deshalb zu einem hohen Maß von Selbstveränderung und Überwindung alter Gewohnheiten bereit sein.“
Alle, die an eine Teilnahme denken, sollen wissen, dass Krisen und Konflikte in einem so neuartigen Experiment unvermeidlich sind. Sie brauchen die Entschlossenheit, die auftretenden Schwierigkeiten für ihren Weg des Lernens zu benutzen. Alte Verhaltensmuster, moralische Vorstellungen und Vorurteile müssen durchschaut und transparent gemacht werden. Das, was normalerweise in privaten Therapien ausgesprochen wird, sucht Aussprache unter Menschen, die sich vertrauen können, vor allem sucht es nach neuen Lösungen.
Eine zentrale Form, die uns durch all die Jahre begleitet hat, ist das sogenannte Forum. Es dient der Transparenz in der Gemeinschaft, ermöglicht die Mitteilung und die energetisch stimmende Aussprache aller anfallenden Themen einer Gemeinschaft, oft mit Hilfe künstlerischer Mittel, und dient dem Erlernen wahrheitsgemäßer Kommunikation. Frequenzforum und Ki-Do (von „Ki“, die Lebensenergie und Do, der Weg, eine der neuen, in Tamera entwickelten Kommunikationsformen), Kunst, Musik, Theater und viele andere erprobte und bewährte Methoden helfen, den aufkommenden Konfliktstoff zu lösen und ein lebendiges und freudiges Gruppenklima zu bewahren. Gelernt wird, auch dort schöpferisch zu bleiben und zu sprechen, wo bisher meistens geschwiegen wurde.
Konkrete Schritte der Verwirklichung
1. Das Solar Village wird derzeit geplant und vorbereitet. Das Gelände ist bereits ausgewählt. Zur Zeit wird die Solar-Technologie in Tamera aufgebaut, getestet und auf portugiesische Verhältnisse angepasst. Die Ökologen planen ein Nahrungsmittelbiotop rund um das Solar Village, das die späteren Bewohner versorgen und gleichzeitig den Tieren eine Heimat bieten soll. Das Modell wurde in Portugal vielen Umweltstellen und Universitäten vorgestellt. Auch verschiedene EU-Stellen in Brüssel zeigten bereits großes Interesse.
2. Monte Cerro braucht große finanzielle Unterstützung. Der revolutionäre Grundcharakter des Projektes Monte Cerro verlangt unkonventionelle und vorausdenkende Geldgeber und Investoren. Einen schnellen Profit können wir nicht versprechen. Der erhoffte globale Erfolg, die Globalisierung des Friedens, wird aber erst eintreten, wenn es eine Umverteilung im finanziellen Bereich gibt, wenn nennenswerte Gelder in die Friedensforschung und in den Aufbau neuer sozialer Modelle investiert werden. Friede wird nur gelingen, wenn die gleiche Visionskraft, die gleiche Intelligenz, die gleichen finanziellen Mittel investiert werden wie bisher in den Krieg. Mit dem Geld für einen einzigen Panzer könnte ein ganzes Heilungsbiotop finanziert werden. Wir sind gespannt, wer die ersten Pioniere aus der Finanzwelt sein werden, die wirklich größere Summen auf dieses Zukunftsprojekt setzen. Doch wir werden nicht warten auf das Eintreffen der Gelder. Wir wissen: Entscheidend für den Erfolg solcher Friedensprojekte ist nicht, wie groß und stark sie sind im Vergleich zu den bestehenden Gewaltapparaten, sondern wie umfassend und komplex sie sind. In den Feldbildungen der Evolution gilt nicht das „Recht des Stärkeren“, sondern der „Erfolg des Umfassenderen“. Andernfalls hätte sich keine neue Entwicklung durchsetzen können, denn sie haben alle „klein und unscheinbar“ begonnen, wie Teilhard de Chardin beschreibt.
3. Vor allem am Anfang werden die Teilnehmer mit provisorischen Unterkünften vorlieb nehmen müssen. Der Aufbau der neuen Wohnformen gehört zur Arbeit der drei Jahre. Die Modelle, die entwickelt werden, sollen anwendbar sein für Krisengebiete und Notsituationen. Hier ist ebenfalls oft das Improvisationstalent größer als die Finanzkraft. Das verlangt einen experimentellen Freiraum und von den Teilnehmern den Mut, auch mit sehr einfachen Mitteln zu leben. Wohnunterkünfte werden mit intelligenter Architektur und viel Improvisationskraft aus vorhandenen Baustoffen der nahen Umgebung geschaffen; sie sollen Schutz geben und doch den Kontakt zur Natur lebendig erhalten. Ehrfurcht vor dem Leben und Achtung gegenüber allen Mitgeschöpfen sind die innere Richtlinie bei allen Arbeiten. Dazu gehören auch Wohnsysteme, wel- che sich in die Natur einfügen und den Tieren einen Platz geben, wenn sie den Kontakt zu Menschen suchen. Die Gesetze der Schönheit und harmonischen Einbettung in die Natur sollen auch bei einfacher Bauweise der Maßstab für das Bauen sein. Fachkräfte aus dem Bereich der Architektur für erdbebensicheres Bauen und für einfaches Bauen in Krisengebieten sind eingeladen, sich zu beteiligen. Strohballenbauten, Lehmbauten und andere Bautechniken sollen verwirklicht werden. Zusätzlich zum Solar Village ist der Aufbau einer Rotunde aus Lehm für 50 Menschen geplant, ein beispielhafter, erdbebensicherer Kuppelbau für einfaches Wohnen in einer dichten Gemeinschaft.
4. Gesucht sind engagierte Ökologen, vor allem um Pilotprojekte im Bereich des Gartenbaus zu verwirklichen. Ein Projekt der Wiederbewaldung, um aus einem kargen Trockengebiet eine fruchtbare Landschaft zu machen, wurde bereits gestartet und soll nach den Prinzipien von Sepp Holzer, Masanobu Fukuoka und anderen vertieft und den lokalen Wachstumsbedingungen angepasst werden. Ökologische Fachkräfte leben seit acht Jahren in Tamera und haben sich mit den lokalen Wetter- und Wachstumsverhältnissen vertraut gemacht.
5. Teilnahme am Friedensexperiment: Vor allem werden Fachkräfte aus dem Bereich der Technologie, der Ökologie und dem Bauwesen gesucht. Die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme an Monte Cerro ist die Bereitschaft, zur Selbstveränderung und die eigenen inneren Themen in die Forschung einzubeziehen. Deshalb wendet sich Monte Cerro vor allem an junge Menschen und an Personen, die willens sind, unter einfachsten Bedingungen zu leben und diejenigen Aufgaben und Berufe zu ergreifen, die für den Aufbau von Heilungsbiotopen erforderlich sind. Alle die sich am Projekt Monte Cerro beteiligen wollen, sollten Tamera vorher gründlich kennen gelernt haben. Zu dem Experiment gehört, dass wir während der drei Jahre zusammenbleiben und bei aufkommenden Konflikten nicht einfach davonlaufen. Wer mitmachen will, sollte mit einem jährlichen Teilnahmebeitrag von 6000 Euro rechnen. Dies ist die Summe, die
etwa für das tägliche Leben und die aufkommenden Unkosten gebraucht werden.
Die Universität
Das Ausbildungsziel von Monte Cerro besteht darin, dass die Teilnehmer nach den drei Jahren das Fachwissen haben, mit dem sie beim Aufbau von Friedensdörfern mitarbeiten können. Im Zentrum steht die Ausbildung zum Gruppenleiter; wichtig ist ebenfalls die Ausbildung in Handwerk, Ökologie und Technologie. Im Aufbau ist auch eine Schule für Friedensjournalismus. Nach dem Motto: Informationen schaffen Wirklichkeit, wird in dieser Gruppe gelernt, sich mit dem Schicksal der Welt zu verbinden und Perspektiven zu entwickeln. Die Schule für Friedensjournalismus bearbeitet folgende Fragen: Wie entsteht eine sinnvolle Brücke zur bestehenden Gesellschaft? Welche Informationen fördern die Friedensbewegung und haben feldbildende Wirkung? Diese Gruppe wird intim mit den Ereignissen der Zeit in Berührung bleiben. Die Öffentlichkeit soll laufend informiert werden über das Projekt „Monte Cerro“.
Die bestehenden Projekte von Tamera – die freie Schule und der Platz der Kinder, die Jugendschule globales Lernen, das Tiersanktuarium, die Forschungsgruppen zum Thema Heilung, Kunst, Spiritualität, werden für Monte Cerro weiter gehen und erweitert. Die tägliche Morgenandacht, das gemeinsame Forum, Kunstkurse und spirituelle Retreats bilden das geistige Dach, das alle entstehenden Untergruppen miteinander verbindet. Der Politische Ashram und der entstehende Steinkreis als Modell für eine zukünftige Friedenskultur sind Einrichtungen, die für den geistigen Zusammenhalt und den künstlerischen Aufbruchsgeist des sozialen Experimentes sorgen werden.
In diesem Jahr sind alle Interessenten herzlich eingeladen, am jährlichen Grundkurs im Mai oder an der Sommeruniversität teilzunehmen. Eingeladen sind alle potenziellen Friedensarbeiter und Forscher, die Interesse daran haben, sich am Experiment Monte Cerro zu beteiligen oder es zu unterstützen. Das Experiment Monte Cerro wird seine Fortsetzung finden. Ein nächstes Friedensforschungsdorf könnte in Israel- Palästina entstehen. Einige junge Friedensstudenten aus Tamera sind seit einigen Jahren in diesem Land engagiert, um die sozialen und historischen Hintergründe dieses Konfliktherdes besser kennenzulernen und Lösungen zu finden. Es gibt bereits Kooperationspartner, die gemeinsam mit uns den Aufbau eines Friedensdorfes realisieren wollen.
Für alle Kinder unserer Welt, für die Zukunft des Planeten Erde – möge das Experiment viele Unterstützer und Freunde finden und gelingen!